Die Elbphilharmonie bezeichnet sich selbst als „Haus für alle“. Es ist ein sympathisches Motto, das den Vorzug besitzt, sich einer eindeutigen Überprüfung zu entziehen. Zwischen Kinderkonzerten, Weltmusik und orchestraler Hochkultur findet nahezu jeder Besucher ein Angebot, bei dem er entweder gut unterhalten wird oder sich einen Moment lang fragt, ob er hier tatsächlich gemeint ist.
Im Großen Saal versammelt sich regelmäßig die internationale Spitzenklasse: Orchester von Rang, Dirigenten mit unverwechselbarer Handschrift und Solisten, deren Namen längst Teil musikgeschichtlicher Randbemerkungen sind. Der Kunstgenuss reicht hier von kontrollierter Erhabenheit bis zu jenen Abenden, an denen das Risiko bewusst mit auf dem Podium steht.
Der Kleine Saal setzt dem die Aussicht auf Nähe entgegen. Liederabende, Streichquartette und Klavierrezitals entfalten dort eine Konzentration, in der Spannung nicht selten greifbarer ist als der Applaus am Ende. Das Versprechen lautet Echtheit, und es wird nicht selten eingelöst.
Damit diese Vielfalt nicht beliebig wird, strukturiert die Elbphilharmonie ihr Programm durch Jahresschwerpunkte und thematische Festivals. Etwa ein Drittel der Veranstaltungen entsteht in eigener Verantwortung, während der übrige Teil externen Veranstaltern überlassen bleibt, was dem kulturellen Marktgeschehen Rechnung trägt und zugleich programmatische Offenheit sichert.
1. Mittwoch, 11. Februar 2026, 20:00 Uhr – Großer Saal
Royal Concertgebouw Orchestra
Programm:
Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 8 c-Moll
Bruckners Achte gehört zu den großen Monumenten der spätromantischen Symphonik. Das Royal Concertgebouw Orchestra verfügt über eine außergewöhnlich dichte Bruckner-Tradition, die Klangarchitektur, Spannungsaufbau und lange Bögen gleichermaßen trägt. Ein Abend von maximaler sinfonischer Gravität.
2. Dienstag, 21. April 2026, 20:00 Uhr – Großer Saal
Tschechische Philharmonie
Dirigent: Semyon Bychkov
Solistin: Sol Gabetta, Violoncello
Programm:
Antonín Dvořák: Karneval-Ouvertüre op. 92
Edward Elgar: Konzert für Violoncello und Orchester e-Moll op. 85
Igor Strawinsky: Le sacre du printemps
Ein dramaturgisch stark gebauter Abend, der von spätromantischer Klangsprache über existenzielle Tiefe bis zu archaischer rhythmischer Gewalt reicht. Die Verbindung von Elgar und Strawinsky verlangt ein Orchester von höchster stilistischer Spannweite, die hier überzeugend gegeben ist.
3. Mittwoch, 27.05.2026, 20:00 Uhr – Großer Saal
Konzerthausorchester Berlin
Dirigentin: Joana Mallwitz
Solistin: Alice Sara Ott, Klavier
Programm:
Ludwig van Beethoven: Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37
Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 5 cis-Moll
Beethoven als klassisch-dramatische Verdichtung und Mahler als sinfonischer Weltentwurf ergeben einen Abend von großer innerer Spannung. Die Fünfte mit ihrem weiten emotionalen Bogen bildet einen kraftvollen Abschluss der Saison.
