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Die Akustik im Großen Saal - Die Saalform


Hamburg by Rickshaw - Elbphilharmonie-Führung - Großer Saal

Es war eine Botschaft, die beim Bau der Elbphilharmonie geradezu gebetsmühlenartig wiederholt wurde, man wolle in Hamburg „einen der zehn besten Konzertsäle der Welt“ errichten.

Zugleich wurde damit aber auch die Frage aufgeworfen, was einen guten Konzertsaal ausmacht und welche anderen neun Konzertsäle zum illustren Kreise gehören sollten.

Als gesetzt dürfen der Goldene Saal des Wiener Musikvereins, die Berliner Philharmonie und das Concertgebouw Amsterdam gelten, wobei nicht klar ist, ob man in Wien wirklich „besser“ hört als in Berlin - oder doch bloß anders? Klingt hier Mozart authentischer, während Schönbergs Musik dort erst richtig tönt? Oder haben die feinen Unterschiede mindestens ebenso viel mit subjektiven Hörgewohnheiten und -erfahrungen zu tun wie mit physikalisch bestimmbaren Parametern.

Gleichwohl waren für die Architektur des Großen Saals einige grundsätzliche Entscheidungen zu treffen, die den Klangcharakter und seine Wahrnehmung prägen. Zunächst die über die Form des Saales. 

Hier gibt es zwei Grundmodelle: die sogenannte „Schuhschachtel“, einen langgestreckten, rechteckigen Raum, mit der Bühne an der Stirnseite. Wien, aber auch die altehrwürdige Laeiszhalle in Hamburg folgen diesem Schema. Sein Nachteil besteht für die Hörer auf den Plätzen in den hinteren Reihen im großen Abstand vom Podium.

Für den Großen Saal hat man sich für das „Weinberg“- Modell entschieden, das bereits in Berlin und im Neuen Leipziger Gewandhaus nicht diskriminieren sollte. Das Publikum sitzt mit freiem Blick auf acht Ebenen und hangartig ansteigenden, dazu wellenförmig terrassierten Rängen in etwa gleichem Abstand von 30 Metern zum Orchester und um dieses herum.

Jedoch zeitigt diese Nähe für alle trotz alledem ein Hörproblem für jeden einzelnen: In einer als angenehm empfundenen Akustik erreichen höchstens fünf Prozent des Schalls das Ohr auf direktem Weg; der Rest wird zuvor wenigstens einmal gebrochen. Diese Reflexion und damit Nachhallzeit, Präsenz und Klangfarbe prägen aber den speziellen Charakter eines Saales, wobei die genaue Steuerung dieser Reflexion nicht nur ungleich schwieriger ist als bei der „Schuhschachtel“, sondern letztlich über die Qualität des Konzertsaals entscheidet.

PS: Dass der Große Saal - beginnend auf 51 Metern -  der am höchsten gelegene Konzertsaal der Welt ist, hat keinen Einfluss auf die Akustik.